Über 100 Jahre Bücherei Grafentraubach

                                                                                             Camilla Weber, Rita Haas und Stefan Eß

                                                           Büchereibild von Früher

Bischof Graber und Georg Wachter

Ausleihangebot steht für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung

Die Bücherei St. Pankratius gibt es seit nunmehr über 100 Jahren. Als einzige Bücherei der Gemeinde Laberweinting versuchen die Mitarbeiter für alle ein reichhaltiges Angebot an Lesestoff und audiovisuellen Medien anzubieten. Kaum Gedanken macht man sich indes darüber, welch lange Tradition und welche Wirrungen die Bücherei bereits erlebt hat.    

Im Zuge der Gründung des Katholischen Arbeitervereins durch Geistlichen Rat Josef Zeiler 1910 soll auch die Bücherei entstanden sein (Laber-Zeitung vom 16.11.1976). Auszüge aus dem Heimatbuch Grafentraubach berichten: „Das Gründungsdatum für die Bücherei konnte bis heute nicht ermittelt werden. Da die Bücherei jedoch von Anfang an die jeweilige Landeszentrale angeschlossen war, dürften sich die Gründungsdaten in etwa decken. Der Katholische Pressverein für Bayern in München wurde am 15. Juli 1901 gegründet. Neben der Aufgabe für das katholische Schrifttum und einschlägigen Vorträgen, hatte der Verein auch die Aufgabe, Volksbibliotheken zu errichten und fachlich zu beraten. Unsere Bücherei teilte so Freud und Leid mit dem Fachverband. Der Verein wurde von den Nationalsozialisten 1934 verboten und aufgelöst. Als Rechtsnachfolger wurde sofort der Sankt Michaelsbund gegründet. Seine Aufgabe wurde jedoch auf die Büchereiarbeit beschränkt. Die Reichsschriftungskammer befand interessanterweise, dass in Bayern auf dem Lande die Büchereien derzeit noch nicht ersetzt werden können. Es erfolgte die Umbenennung der „Volksbibliotheken“ in „Pfarrbüchereien“.  

Die Bücherei engagierte sich nicht nur lokal, sie war jahrzehntelang Mitglied in der KAG SR-Bogen, die gemeinsam Aktivitäten und Veranstaltungen anboten. Zudem führte das Büchereiteam auch Theateraufführungen, Kasperltheater, Spielnachmittage, Lesungen, Vorlesenachmittage, Fahrten nach München und Führungen für Schulklassen durch.                 

Einige Ausleih-Zahlen der Bücherei, die – immer aufgeschlossen für Neuerungen – sich stets weiterentwickelte. Zu den Büchern kamen Kassetten sowie CDs, dann Spiele später Zeitschriften und schließlich DVDs und vieles mehr.

 1955             16 Leser        151 Entleihungen              ca. 200 Bücher

1984              309 Leser     4.758 Entleihungen          2.804 Medien

1993              366 Leser     2.705 Entleihungen          ca. 3.500 Medien

2015              223 Leser     4.878 Entleihungen          3.022 Medien

 Örtlich zog die Bücherei mehrmals um. Während der Zeit der Nationalsozialisten/des Krieges konnte „die Pfarrei Grafentraubach ihre Bücherei in das Haus der Geschwister Anna und Theres Stadler, Grafentraubach Hs. Nr. 8 ½ verlegen, wo sie weiterhin betrieben wurde. Nach Kriegsende kehrte die Bücherei in den Pfarrhof zurück“ [Heimatbuch]. Die Räumlichkeiten im Pfarrheim wurden bis 1987 genutzt, bevor sie in die jetzigen Räumlichkeiten, dem ehemaligen Schweinestall der Landwirtschaft der Pfarrei, umzog. Am Wiederaufbau maßgeblich beteiligt waren Kämmerer Jakob Staudigl und Georg Wachter, der die Bücherei von 1956 bis 1993 leitete. Er ließ sich in einer 2-jährigen Ausbildung zum KiBüAss (Kirchlicher Büchereiassistent) ausbilden und wurde für sein Engagement 1976 mit der silbernen und 1991 mit der goldenen Ehrennadel des St. Michaelsbundes ausgezeichnet. Nach seinem Tod übernahm, die von Büchereileiter Georg Wachter verdienstvoll geführte Arbeit, dessen Tochter Angelika Wachter. Seit 2014 leitet Rita Haas die Bücherei, die die Ausleihe erfolgreich auf EDV umstellte.            

Das ehrenamtliche Büchereiteam nimmt an Fortbildungen und Tagungen teil um sich stets am Puls der Zeit zu bleiben und kompetent für die Leser da zu sein.   

Plädoyer für Gedrucktes         Eine im Zeitungsbericht von 1987 anlässlich des Umzugs erwähnte Aussage „kein anderes Medium kann das Buch ersetzen“ ist denn auch bedeutender denn je. Es ist schwierig geworden, verlässliche Informationen zu finden. Für fast jede These lassen sich Belege googlen. Kaum jemand verwendet andere Suchmaschinen. Wie soll man einschätzen, was stimmt und was nicht. Im so genannten postfaktischen (Wort des Jahres 2016) Zeitalter bestimmt Emotion zunehmend über Tatsachen, die Flut der Informationen vor allem über soziale Medien ist für den Einzelnen unüberschaubar. Nicht vergessen werden sollte unter dem Stichwort „der gläserne Leser“ der Aspekt, dass beim Lesen elektronischer Medien jeder Leser auch Daten von sich preisgibt.   Für viele Leser bleibt indes das Vergnügen, ein gedrucktes Buch haptisch zu fühlen, unersetzbar.        Büchereien bieten mit ihrem umfassenden Bestand einen großen Wissensschatz sowie zitierfähige Quellen an und vermitteln Lesekompetenz und Beurteilungsvermögen. Die Bücherei Grafentraubach hat vor allem für Kinder auch viele Sachbücher im Bestand. Gerne werden in allen denkbaren Facetten Buchwünsche erfüllt.         

Die gesamte Bevölkerung ist immer herzlich eingeladen, am Sonntag von 9.15 Uhr bis 11.15 Uhr und am Dienstag von 17 Uhr bis 18 Uhr zu den regulären Öffnungszeiten vorbeizuschauen.